Notizen aus der Provinz

SABINE MAI SCHREIBT ÜBER HEIMAT UND KULTURELLE IDENTITÄT

Sabine Mai

Vita

Da schreibt mir ein Freund aus alten Zeiten: „Was ich wohl in einem früheren Leben verbrochen habe, dass ich wieder in Miltenberg leben muss?“ Genau das habe ich mich auch gefragt, denn am Geist der Provinz kann man sich die Zähne ausbeißen. Dass einer wie ich lange in der Großstadt gelebt hat, hilft hier nicht weiter. Wer sich nicht einfügt ins Provinzielle wird abgewatscht. Nach drei Jahren zurück im Landkreis ist meine rosa Heimatbrille zerbrochen. Nix ist mehr übrig von Waldromantik und Weinseligkeit.

Apropos Weinseligkeit: Die Häcker ist mir ein Graus und die Bürgstadter Weinkulturnacht würde ich prompt in „Weinsaufnacht“ umbenennen, denn mit Kultur hat das nächtliche Besäufnis nix zu tun. Doch nicht alle sehen das so. „Unser Kulturprogramm kann sich mit München messen!“, verkündet mir eine selbsternannte „Künstlerische Leitung“. Soso jaja, Bescheidenheit ist nicht unsere Stärke, dafür muss ich Verständnis haben.

Ja, liebe Miltenberger, ihr seid großartig, habt sogar schon dem Johannes Butzbach gezeigt, wo es lang geht. Von wegen Schule schwänzen und langhaarig herumgammeln, das duldet ihr nicht ­- und das schon seit 500 Jahren!

…. und was nun? Das „geboren in Miltenberg am Main“ kann ich doch nicht aus meinem Personalausweis löschen? Also geht es wohl weiter mit uns wie mit „Dick und Doof“. Ich bin gespannt, liebe Heimat, was wir noch miteinander erleben werden.

Hier meine Heimat-Vita:

– Sabine Mai, geb. am. 14.12.1965 in Miltenberg am Main
– Johannes Butzbach Gymnasium bis 1986
– Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bis 1994
– FH Nürnberg im Fach Design bis 1996
– Seit 1996 arbeite ich in München, seit 2020 abwechselnd in der neuen Heimat München sowie der alten Heimat Miltenberg

Vita Sabine Mai

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Thema von Anders Norén